Sie wächst überall – in der Stadt, im Wald oder in Straßengräben: die Große Brennnessel (Urtica dioica). Kaum ein Kind, das nicht irgendwann schmerzhaften Kontakt mit ihr hatte. Die daraus resultierende Abneigung mag dazu beigetragen haben, dass die Pflanzen auch der Schrecken fast aller Gärtner sind. Bei vielen ist die Brennnessel zu Unrecht als fürchterliches Unkraut verschrien. Denn sie ist vom Frühjahr bis zum Herbst eine sehr vielseitige und Kraft spendende Nutzpflanze.

Im Biogarten ist die Brennnessel ein willkommener Gast. Aus der Pflanzenbestandteilen lassen sich nützliche Pflanzenjauchen und
-brühen herstellen, mit denen andere Pflanzen gedüngt werden. Doch bereits im lebenden Zustand ist sie nahrhaft und besonders wichtig.

Wirt für unzählige Raupen

Für viele Schmetterlinge, wie den Kleinen Fuchs, den Admiral, die Brennnessel-Zünslereule, das Landkärtchen oder das Tagpfauenauge sind Brennnesseln Wirtspflanzen. Sie legen ihre Eier an ihnen ab. Die Raupen ernähren sich von den Blättern und verpuppen sich dort. Konkurrenz untereinander gibt es selten, weil die Arten jeweils andere Standorte bevorzugen. So findet man die Raupen des Kleinen Fuchses an trockenen und sonnigen Stellen während das Tagpfauenauge sonnige, luftfeuchte Plätze in der Nähe von Gewässern bevorzugt. Der Admiral benötigt kümmerliche Pflanzenbestände und die Raupen des Landkärtchens lieben es schattig an Bächen in Auwäldern.

Fraßspuren & Stroh

Wie wichtig die Brennnessel für andere Tiere ist, lässt sich bereits mit einem scharfen Blick erkennen. Auf jeder Brennnessel sind Fraßspuren unvermeidlich. Viele Insekten, wie zum Beispiel Ameisen, fressen entlang der Blattnerven und -ränder um die Brennhaare herum.
Für leichtfuttrige Pferderassen, wie Connemara oder Haflinger, sind gemähte und getrocknete Brennnesseln ein wunderbarer Ersatz für konventionelles Stroh. Das gilt besonders für das Frühjahr, wenn der das jung aufwachsende Gras vor Eiweiß strotzt. Die Nutzung der Brennnesseln mindert die Gefahr auf die gefürchtete Hufrehe.

P. S.: Das Foto zeigt die Raupe des Admirals, aber er sitzt nicht auf einer Brennnessel 😉