Wie die Arbeit in einer Gartenkooperative mit Kindern funktioniert, durfte ich bei der Garten-AG der Grundschule in Dissen beobachten. Die Schule liegt in einer ländlichen Gemeinde bei Osnabrück und hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Denn auch auf dem Land wissen die Kinder immer weniger über Natur.

Beet & Ackerparzelle

Die Kinder der Garten-AG pflanzen und ernten nicht nur in einem Beet auf dem Schulhof. Sie bepflanzen auch eine Ackerparzelle am Waldrand. Dies ermöglicht die Kooperation mit dem Regionalen Umweltbildungszentrum „Noller Schlucht“, das fußläufig gerade zweieinhalb Kilometer von der Schule entfernt liegt. Deswegen wird die Gartenarbeit jedes Mal im Rahmen halbtägiger Ausflüge mit einer kleinen Wanderung verknüpft. Die Kinder gehen dorthin, gärtnern, spielen, essen eine Brotzeit und laufen wieder zurück zur Schule. „Vor allem viele Erstklässler sind danach besonders müde. Daran erkennen wir auch, welche Kinder mit ihren Eltern oft draußen sind und welche nicht,“ erzählt Birgit Kaiser, die Schulleiterin. Gärtnern heißt in diesem Fall auch: besonders viel Bewegung an frischer Luft.

Im Schulbeet wachsen Salate, Kräuter oder Erbsen. Auf der Parzelle pflanzen die Kinder hauptsächlich Gemüse an. Dass es sich hierbei um mehr als nur reines Gärtnern handelt, erzählt Maria Hannig, die Leiterin der Garten-AG:“ Jede Klasse hat einen kleinen Regenwurm-Schaukasten. Die Kinder füttern die Tiere, pflegen sie und wissen nun, welche Bedeutung Regenwürmer für den ökologischen Kreislauf haben.“ In den Sommerferien wird jeder Schaukasten von einem Kind betreut, damit die Würmer die Zeit gut überstehen.

Auf der Ackerparzelle lernen die Schüler außerdem viel über Pflanzen. Alle AG-Teilnehmenden kennen die Blüten und Samenstände von Feldsalat, Erbse, Radieschen und Co. Nach und nach machen sich die Kinder mit der Natur vertraut – und lernen dabei auch verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen. Das unterstreicht Derk van Berkum, der Leiter des Umweltbildungszentrums: „Die Kinder wissen inzwischen: Je weniger Ressourcen wir einsetzen, umso besser.“

Während meines Besuches kochen sich einige Kinder in der großen Pause Tee aus Schokominze. Dafür zupfen sie frische Blätter aus dem Beet und brühen sie auf. Manchmal, erzählen sie mir, mischen sie verschiedene Kräuter für einen Tee. Man merkt, dass sie Übung darin haben – und sie ihren Tee gerne trinken.

Partner für Kooperation finden

Die wenigsten Schulen haben auf ihrem Außengelände die Möglichkeit einen Nutzgarten einzurichten. Erstens fehlt oft der Platz und zweitens müssen die Pflanzen in den Ferien gegossen werden. Eine Alternative ist die Kooperation mit einem Umweltbildungszentrum. Solidarische Landwirtschaft und Umweltbildungszentren sind mittlerweile im ländlichen Raum ebenso wie an den Stadträndern zu finden. Bei der Suche nach einem passendem Partner kann das Umweltamt Ihrer Stadt beziehungsweise die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises helfen. Vielleicht gibt es auch Naturschutzgruppen in der Nähe? Sie werden sich über eine dauerhafte, pressewirksame Interaktion sicherlich freuen.

Über diese Gartenkooperative berichtete ich in der Neuen Osnabrücker Zeitung sowie weiter entwickelt für den Oldenbourg Verlag.